Hausboot  |  2015  |  Intarsie, bearbeitet; Holz, Acryl-Lack und -Farbe, Silber-Liner  |  33 x 19 x 2 cm

Bildrettung

Immer wieder -meist über ausrangierte Bilderrahmen, die ich auf Flohmärkten erwerbe- stolpere ich über Bilder, Fotografien, Kunsthandwerkliches, vor denen mich im Grunde graust, in ihrem plumpen Kitsch, antiquierter Verstaubt- oder Versehrtheit, schlechter Technik/Wiedergabe, oder einfach dem Ballast der unguten alten Zeit, der ihnen anhaftet.

Trotz -oder gerade wegen- dieser Hässlichkeit rührt mich aber deren Ausgesetztheit, und ich empfinde eine merkwürdige Empathie mit solchen Bildern, deren Appell einer inneren Auflehnung gegen ihr Schicksal einer eigentlich unmöglichen Selbstbehauptung gegen das Andere, Schöne, Edle, Privilegierte, Teure ich mich dann nicht entziehen kann; - vergleichbar vielleicht mit den Empfindungen beim Anblick einer räudigen, zerzausten Katze, die in einer Mülltonne nach Fischgräten wühlt.

Solche Bilder kann ich nicht einfach wegschmeißen oder entsorgen, irgendjemand hat sie ja auch einmal -wenn vielleicht auch mit begrenztem Talent oder Kunstwollen- so doch mit Bedacht, Hingabe und dem nötigen Fleiß gemacht, und sogar eines Rahmens für würdig befunden.

Immer wieder einmal nehme ich mich ihrer an, und versuche, ihnen mit meinen künstlerischen Mitteln und Methoden doch noch etwas Aufmerksamkeit, eine Bedeutung, eine dem Fortscheiten der Zeit trotzende Würde oder schlicht eine neue Gegenwart zurück zu geben.

Es stellt mich auf besondere Weise zufrieden, wenn mir das gelingt.

Picture Rescue

Every now and then -usually through discarded picture frames I pick up at flea markets- I stumble upon pictures, photographs, and handicrafts that I’m actually pretty grossed out by, whether because of their clumsy kitsch, their old-fashioned dustiness or damage, poor technique or reproduction, or simply the baggage of that not-at-all-good old days that clings to them.

Despite -or perhaps precisely because of- this ugliness, however, their abandonment moves me, and I feel a strange empathy for such images; I can't escape their message of an inner rebellion against their fate-an actually impossible revolt against the Other, the beautiful, the noble, the privileged, the expensive; -perhaps a little comparable to the feelings one experiences upon seeing a mangy, disheveled cat rummaging through a trash can for fish bones.

Pictures like these I can't just throw away or discard. After all, they were created deliberately, with dedication and required diligence, regardless of the creator's perhaps limited talent, and someone even deemed them worthy of being framed.

From time to time, I take them under my wing and, using my artistic tools and methods, I try to breathe new life into them, giving them a renewed sense of significance, a certain dignity that defies the passage of time, or simply a renewed presence.

It gives me a particular sense of satisfaction when I succeed.

 

letzte Aktualisierung: 05.08.2026